aus der Reihe What We Share: zwei Künstler, zwei Generationen
Eine Initiative des Kulturamtes Frankfurt
Am Anfang war die Sprache. Durch sie wurde die Welt geordnet, benannt und geteilt. Zugleich erzeugen Worte, die eigentlich als Brücken gedacht sind, stellenweise Missverständnisse und Strukturen, die wie ein Schleier das Wesentliche verdeckten und bis zur Unkenntlichkeit verzehrten. So geriet die Sprache in die kritische Betrachtung der Künstler.
Klaus Schneider hat die Auseinandersetzung mit Sprache als Medium am nachhaltigsten beschäftigt. In seinen haikubasierten Werken wird Sprache verdichtet und in eine visuelle Form überführt. Die spezifische Haiku-Struktur, die aus 17 Silben besteht, bildet dabei das grundlegende Bildschema. Trotz ihrer formalen Strenge erweist sich dieses als unerschöpfliche Quelle bildnerischer Vielfalt. Wie die poetische Haiku-Sprache selbst, die durch Rhythmus, Klang und bewusste Begrenzung geprägt ist, richten sich auch Schneiders Arbeiten weniger an das analytische Verstehen als an ein intuitives Wahrnehmen und unmittelbares Empfinden. Die Integration von Blindenschrift erweitert dieses Prinzip konsequent. Sie verweist auf Sprache, entzieht sich jedoch zugleich dem unmittelbar visuellen Lesen. Indem Schneider Blindenschrift in seine Arbeiten integriert, verweist er darauf, dass Sprache nur eine Facette des Erfassens ist. Wahrnehmung vollzieht sich nicht allein im Lesen, sondern in einem Annähern, das eher einem Tasten als einem eindeutigen Entschlüsseln gleicht.
Auch die Arbeiten von Milan Caspar Eckart nehmen die Sprache – oder genauer ihre Begrenztheit – in den Blick. Sein zentrales Werk für die Ausstellung, ein schwarzer Kubus, gefüllt mit Buchstaben, verdichtet die Sprache auf ihre Einzelteile. Dabei erinnert das Vorgehen an das von Klaus Schneider, ist jedoch dekonstruktivistischer. Auch hier wird Sprache sichtbar als Material – zerbrechlich, aber zugleich produktiv. Analog zum „Schwarzen Quadrat“ von Kasimir Malewitsch ist es die Verschmelzung von Nichts und die Negation der Sprache als Medium und verweist gleichzeitig auf die unendliche Vielfalt potenzieller Möglichkeiten, Sprache so lebendig und anpassungsfähig machen.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog
Barabend Mittwoch, 15.04.2026, 18 Uhr
Artist Talk Samstag, 28.3.2026, 16:00
Mit Petra Fehrmann (Stimme) und Nikolai Muck (Gitarre)
Freundlich unterstützt von Kulturamt Stadt Frankfurt